Steuerklassen: Wahl der Lohnsteuerklassen, Steuerklassenwechsel

Lesen Sie alle Fakten rund um die Wahl der Steuerklassen (Lohnsteuerklassen) und Steuerklassenwechsel. Mit der richtigen Steuerklassenwahl können Sie monatlich mehr Netto bekommen!

Das Wichtigste:

  • Ihr Nettogehalt hängt von ihrer Wahl der Lohnsteuerklasse ab.
  • Die sechs Lohnsteuerklassen unterscheiden sich durch die durch die Höhe der automatischen Freibeträge.
  • Nach der Heirat bekommen Sie automatisch die Steuerklasse 4 eingetragen.
  • Den Steuerklassenwechsel können Sie für das aktuelle Jahr  bis zum 30. 11. beim Finanzamt beantragen.
  • Ehepaare dürfen nur einmal im Jahr wechseln.


Tipp: Das sollten Sie tun

  • Für Ehepaare: Wählen Sie zu ihrem Einkommen passende Steuerklasse. So können Sie monatlich mehr Nettogehalt erhalten.
  • Beim Lohnersatz: Optimieren Sie ihre Steuerklasse, wenn Sie bald Eltern-, Arbeitslosen-, Kurzarbeiter-, Kranken und Mutterschaftsgeld bekommen. Das bringt mehr Geld in die Kasse!
  • Nach der Trennung sollten Sie erst im Folgejahr in die Steuerklasse 1 wechseln, wenn Sie Unterhalt bekommen.
  • Bei der Insolvenz ihres Ehegatten wählen Sie die Kombination 3 5.

 

Warum werden verschiedene Steuerklassen gebildet?

Bild von Lohnsteuerklasse, Steuerklasse, Wahl, Steuerklassenwahl, SteuerklassenFür die Vereinfachung der Lohnsteuerberechnung wurden sechs Lohnsteuerklassen eingeführt, in der die allen Arbeitnehmer zustehenden

  • Arbeitnehmerpauschbetrag
  • Sonderausgabenpauschbetrag
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende und
  • die Vorsorgepauschale

automatisch berücksichtigt werden. Die Definition der Lohnsteuerklassen ist in § 38 b EStG festgelegt.

Wie kann man die Abzüge berechnen?

Die Eintreibung der Lohnsteuer, Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags haben die Arbeitgeber im Rahmen der Lohnabrechnung zu erledigen.  Je nach Steuerklasse muss der Arbeitgeber die fällige Lohnsteuer berechnen, die er vom Arbeitslohn abzieht und ans Finanzamt abführt. Als Berechnungsgrundlage dient für den Arbeitgeber die Steuerklasse, die mit weiteren neben weiteren Lohnsteuerabzugsmerkmalen in der elektronischen Lohnsteuerkarte (ELStAM-Datenbank) eingetragen ist. Eine Änderung der Steuerklasse darf nur das Finanzamt durchführen.

Berechnen Sie mit unserem Brutto Netto Rechner, wie viel sie am Monatsende ausgezahlt bekommen: Brutto Netto Rechner – Gehaltsrechner ->

Steuerklassen Übersicht – wer bekommt welche Lohnsteuerklasse

Die Lohnsteuerklassen unterscheiden sich  durch die Höhe der automatischen Freibeträge und Pauschalen, wie Grundfreibetrag,  Kinderfreibetrag, Werbungskostenpauschale (Arbeitnehmerpauschbetrag),  Sonderausgabepauschale, Vorsorgepauschale und den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

  • Steuerklasse 1: Besteuerung gleich wie Steuerklasse IV. Gilt für alleinstehende Arbeitnehmer – Alleinverdiener, die ledig oder geschieden Aber auch für dauernd getrennt lebende Ehepartner und Verheiratete, deren Ehegatte im Ausland lebt. Ebenfalls gehören in diese Kategorie Verwitwete, ab dem zweiten Jahr nach dem Tod des Ehegatten.
  • Steuerklasse 2: Besteuerung günstiger als Steuerklasse I. Gilt für Alleinerziehende Arbeitnehmer, die die Voraussetzungen der Steuerklasse 1 erfüllen und die Anspruch auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende Also wenn im Haushalt des Alleinerziehenden mindestens ein Kind (auch Volljähriges) lebt, für das ihnen ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht.
  • Steuerklasse 3: Gilt für verheiratete, nicht dauernd getrenntlebende Arbeitnehmer, deren Ehegatte / Lebenspartner die Steuerklasse 5 gewählt hat oder nicht berufstätig oder selbstständig ist. Geeignet für besserverdienende Ehepartner, ideal bei Einkommensverhältnis 60:40.  Diese Steuerklasse gilt auch für Verwitwete bis zum Ende des ersten vollen Kalenderjahres nach dem Tod des Ehepartners. Es besteht Plicht zur Abgabe der Steuererklärung.
  • Steuerklasse 4: Besteuerung gleich wie Lohnsteuerklasse I. Gilt für verheiratete, im Inland lebende und ist nicht dauernd getrennte Arbeitnehmer und deren Ehepartner ebenfalls die Steuerklasse 4 hat. Geeignet für gleich verdienende Ehepartner.
  • Steuerklasse 4 mit Faktorverfahren: Besteuerung günstiger als Lohnsteuerklasse 4. Meist gibt es keine Nach- oder Rückzahlung. Gilt als eine Alternative zu Steuerklassenkombination 3/5 und 4/4. Die Steuerschuld der Ehepartner wird explizit berechnet, um eine gerechtere Verteilung zu gewährleisten. Es besteht Plicht zur Abgabe der Steuererklärung.
  • Steuerklasse 5: Schlechter als Lohnsteuerklasse IV. Gilt für die Arbeitnehmer, deren Ehegatte in der Steuerklasse 3 fällt. Diese Steuerklasse ist für den geringverdienenden Ehepartner Es besteht Plicht zur Abgabe der Steuererklärung.
  • Steuerklasse 6: Schlechteste Lohnsteuerklasse. Steht für Arbeitnehmer mit mehreren Jobs oder wenn der Arbeitgeber vom Abruf der ELStAM Daten gesperrt wurde. Der erste Job wird nach der regulären Steuerklasse abgerechnet, ab dem zweiten Dienstverhältnis erfolgt die Abrechnung nach der Steuerklasse 6.

Steuerklassenwahl

Dre Steuerklassenkombinationen für die Ehepartner

Eine nicht optimal gewählte Steuerklasse bedeutet nicht, dass Sie das Geld verschenkt haben. Nach der Abgabe der Steuererklärung müssen Sie aber mit Nachzahlungen rechnen, oder in Kauf nehmen müssen, dass Sie mit den zu hohen Lohnsteuerabzügen dem Staat ein kostenloses Darlehen erteilt haben.

  • Steuerkombination 3/5: Wenn Ihr Ehepartner die Steuerklasse III annimmt, werden Sie automatisch in die Steuerklasse 5 eingestuft. Das bringt Vorteile nur, wenn Ihr Partner mehr als 60% der Bruttobezüge einbringt, sonst drohen Ihnen satte Steuernachzahlungen. Der Kinderfreibetrag wird dem Ehepartner mit der Steuerklasse III zugeordnet, unabhängig davon ob es sein eigenes Kind ist.
  • Steuerkombination 4/4: Diese Kombination eignet sich am besten für gleich verdienende Ehegaten. Die automatischen Freibeträge sind gleich wie in der Steuerklasse 1 – man wird wie ein Alleinstehender besteuert. Der Kinderbeitrag wird auf beide Ehepartner verteilt.
  • Steuerkombination 4/4 mit Faktor: Das Faktorverfahren ist am günstigsten, wenn beide Ehegaten im Monat unterschiedlich viel verdienen. Besonders dem Geringverdiener bringt diese Steuerklasse mehr netto im Monat. Die Steuernachzahlung oder Rückerstattung fällt gering aus.

Tipp: Berechnen Sie die günstigste Steuerklasse und Ihre Nach-/ Rückzahlung am Jahresende mit dem Steuerklassenrechner->

Was ist Faktorverfahren?

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können alternativ zu der Steuerklassenkombination 3/5 und 4/4 die Kombination 4/4 mit Faktor. Die Steuerschuld der Ehegatten wird bei diesem Verfahren explizit berechnet, um eine gerechtere Verteilung zu gewährleisten.  Die Besteuerung ist daher günstiger als Steuerklasse 4 – meist gibt es keine Nach- oder Rückzahlung.

Das Faktorverfahren verpflichtet Sie zur der Abgabe der Lohnsteuererklärung am Jahresende (§46 Abs. 2 EStG). Der Grund für diese Pflicht liegt darin, dass beim Faktorverfahren mit voraussichtlichen Werten gerechnet wird. Änderungen des Arbeitseinkommens während des Jahres (zum Beispiel durch einen Arbeitgeberwechsel), werden nicht berücksichtigt.

Berechnen Sie mit dem Steuerklassenrechner ->, ob sich das Faktorverfahren für Sie lohnt.

Die Wahl des Faktorverfahrens gilt als ein Steuerklassenwechsel.  Die Steuerklassenkombination 4/4 mit Faktor müssen sie gemeinsam mit Ihrem Ehepartner oder Lebenspartner beim Finanzamt, spätestens bis zum 30. November beantragen.

Wichtig: Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung

Mit der Steuerklassenkombination 3/5 oder 4/4 mit Faktor sind Sie verpflichtet die Steuererklärung abzugeben.

 

Wechsel der Lohnsteuerklassen nach Heirat

Frisch verheiratete Berufstätige erhalten automatisch die Steuerklassenkombination 4/4. Falls für Sie diese Kombination nicht günstig ist, sollten Sie wechseln.

Trennungsjahr: Steuerklassenwechsel nach Trennung

Im Trennungsjahr ist der Steuerklassenwechsel möglich aber nicht nötig. Für den Unterhaltspflichtigen könnte ein Wechsel in die ungünstigere Klasse 4 oder sogar 5 eine Schmälerung des Trennungsgeldes bedeuten.

In dem darauffolgenden Jahr wird beiden Ex-Ehepartnern automatisch die Steuerklasse 1 zugeordnet.

Insolvenz eines Ehegatten

Wenn Ihr Ehepartner insolvent ist, oder sein Gehalt wird gepfändet, sollte er die größere Steuerlast tragen. Mit der  Steuerklassenkombination 3/5 sparen Sie Geld.

Steuerklassen optimieren: So steigern Sie die Lohnersatzleistungen

Wenn Sie in demnächst Lohnersatz, wie Eltern- oder Arbeitslosengeld erwarten, sollten Sie rechtzeitig in die Steuerklasse 3 wechseln. Die Steuerklasse 3 bringt Ehepartnern die höchste Ausbeute in Bezug auf die Lohnersatzleistungen.  Falls der Arbeitgeber oder das Finanzamt nur den steuerlich sinnvollen Wechsel akzeptieren wollen, bleibt der Wechsel zur Klasse 4 mit Faktor als der beste Ausweg.

Mit persönlichen Lohnsteuerfreibeträgen können Sie monatlich noch mehr Nettogehalt erhalten, weil Sie dadurch Ihre Lohnsteuer senken. Damit können Sie ihr künftiges Mutterschafts- und Krankengeld steigern. Die Lohnsteuerfreibeträge können jährlich beantragt werden und gelten dann für die nächsten zwei Jahre, falls kein anderer Antrag eingereicht wird.

  • Elterngeld: Spätestens 7 Monate vor Beginn des Mutterschutzes sollten Sie in die günstigere Steuerklasse wechseln. Lohnsteuerfreibetrag hat kein Einfluss auf das Elterngeld.
  • Mutterschaftsgeld: Spätestens 3 Monate vor Beginn des Mutterschutzes sollten Sie in die günstigere Steuerklasse wechseln. Der Zuschuss zum Mutterschaftsgeld wird vom Nettoverdienst in dieser Zeit berechnet. Lohnsteuerfreibetrag erhöht das Mutterschaftsgeld. Sie sollten den Freibetrag Spätestens 3 Monate vor Beginn des Mutterschutzes beantragen.
  • Krankengeld Der Wechsel in die günstigere Steuerklasse muss spätestens einen Monat vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit stattfinden. (Das Krankengeld wird nach Ende der Lohnfortzahlung / 6 Wochen ausgezahlt.) Lohnsteuerfreibetrag erhöht das Krankengeld, wenn sie spätestens einen Monat vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit beantragt wurde.
  • Arbeitslosengeld I: Steuerklasse 3 wird akzeptiert, wenn sie seit Anfang des Jahres der Arbeitslosigkeit gilt. Später wird nur ein steuerlich sinnvoller Wechsel anerkannt. Klasse 4 mit Faktor ist immer möglich. Lohnsteuerfreibetrag hat kein Einfluss auf das Arbeitslosengeld. Ist aber günstig bei Klasse 4 mit Faktor.
  • Kurzarbeitergeld: Die günstigere Steuerklasse kann jederzeit beantragt werden. Lohnsteuerfreibetrag hat kein Einfluss auf das Kurzarbeitergeld.

Steuerklassenwechsel – So gehen sie vor

Wo und wann beantragen Sie den Steuerklassenwechsel?

Den Steuerklassenwechsel für das laufende Jahr ist spätestens bis zum 30. November bei Ihrem zuständigen Finanzamt möglich. Mehr: Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale in der elektronischen Lohnsteuerkarte beantragen.

Tipp: Wechseln Sie noch im alten Jahr

Steht für sie ein Wechsel an, sollten Sie noch vor dem Jahresende wechseln, da Sie nach dem Beginn des Jahres nur einmal wechseln dürfen. So können Sie eine zusätzliche Änderung der Steuerklasse im nächsten Jahr beantragen.

 

Wie oft dürfen Sie wechseln?

Wechsel der Steuerklassen bei Ehegatten ist nur einmal im Jahr möglich. Dazu gibt es allerdings eine Ausnahmeregelung:

  • Wird Ihr Partner im Laufe des Jahres arbeitslos, erlaubt der Fiskus einen weiteren Wechsel.
  • Wenn er dann im selben Jahr einen Job findet, wird sogar eine dritte Änderung akzeptiert!
  • Bei einer Trennung steht auch ein weiterer Wechsel an.

Wer informiert den Arbeitgeber?

Ihr Arbeitgeber bekommt die neue Steuerklasse bei der Berechnung des Lohnsteuerabzugs automatisch aus der ELStAM Datenbank übermittelt.

Formulare zum Steuerklassenwechsel