Kredit aufnehmen und Steuervorteile nutzen

Ob Smartphone, Urlaub, Auto oder Eigenheim – Kredite erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Deutschen sind laut EU-Vergleich vorbildlich in ihrer Rückzahlungsmoral. Allerdings ist Kredit nicht gleich Kredit. Die unterschiedlichen Darlehensformen werfen die Frage auf, inwieweit Sie einen Kredit steuerlich geltend machen können. Denn unter gewissen Voraussetzungen berücksichtigt das Finanzamt die Kosten, die Ihnen für einen Kredit entstehen. Doch wann genau dürfen Sie einen Kredit von der Steuer absetzen?

 

Unter welchen Voraussetzungen kann ein Kredit von der Steuer abgesetzt werden?

Einen Kredit können Sie dann von der Steuer absetzen, wenn Sie die damit finanzierte Immobilie ganz oder teilweise vermieten. Auch als Arbeitnehmer dürfen Sie die Kosten, die Ihnen für eine Zweitwohnung entstehen, steuerlich geltend machen. In beiden Fällen ist der Kredit die Voraussetzung, dass Sie damit dauerhafte Einkünfte erzielen. Selbstständige und Freiberufler, die Investitionen in Ihr Geschäft vom Laptop bis zum Firmenwagen tätigen, können Kreditkosten ebenfalls beim Finanzamt angeben, da diese Anschaffungen Voraussetzung zur Bestreitung des Lebensunterhaltes sind. Dies betrifft allerdings nur die Zinsen. Geht es um die Tilgungsleistung an sich, kann diese nicht berücksichtigt werden, da sie keine Einnahme an sich darstellt. Gute Chancen haben Sie ebenfalls mit verschiedenen Kreditformen, mit denen Sie Ihre Ausbildung finanzieren. Eine Absage erteilt der Fiskus hingegen Krediten, die rein privaten Zwecken dienen. Den Kredit für Hochzeit, Urlaub oder die neue Waschmaschine können Sie nicht von der Steuer absetzen. Bearbeitungsgebühren, die Ihnen die Bank für den Kredit berechnet, dürfen Sie ebenfalls in der Steuererklärung nicht auflisten.

Kredite für Immobilien und Modernisierungen steuerlich geltend machen

Wenn Sie Ihre Immobilie vermieten oder für den eigenen Betrieb nutzen, können Sie die Kosten für die Darlehenszinsen von der Steuer absetzen. Die Zinsen werden Ihren Werbungs- oder Betriebskosten hinzugerechnet. Allerdings müssen Sie einen kleinen Unterschied beachten. Betriebsausgaben werden direkt durch einen Betrieb veranlasst. Werbungskosten sind alle Aufwendungen, die ein Unternehmer tätigt, um seine Erwerbstätigkeit zu erhalten oder auszubauen. Wenn Sie in Ihre gewerblich vermietete Immobilie neue Fenster einbauen lassen und hierfür einen Kredit aufnehmen, steigt der Wert und sichert Ihre Einnahmen. Somit können Sie die Zinsen steuerlich geltend machen. Geht es nur um eine Modernisierung des Arbeitszimmers innerhalb des von Ihnen bewohnten Eigentums, können Sie die Zinsen anteilig steuerlich geltend machen. Gerechnet wird entsprechend der Nutzung. Beträgt der Anteil Ihres Arbeitszimmers 20 Prozent der Wohnfläche, können Sie 20 Prozent der Kreditkosten beim Finanzamt angeben. Schaffen Sie eine Immobilie erst an oder planen Sie einen Bau, müssen Sie besonders darauf achten, dass beim Finanzamt klar wird, welche Kredite privaten Zwecken dienen und welche steuerlich geltend gemacht werden können. Schon kleine Fehler können zu einer kompletten Ablehnung führen. Achten Sie darauf, dass der Finanzierer im Kreditvertrag die Grenzen zwischen privaten und gewerblich investierten Summen ausweist, um Missverständnisse mit dem Fiskus zu vermeiden. Tipp: Setzen Sie für die Finanzierung auf eine getrennte Kontoführung für private und gewerbliche Investitionen.

Kredite für Ihr Unternehmen von der Steuer absetzen

Im Lauf Ihrer unternehmerischen Tätigkeit kommt es öfter vor, dass Sie einen Kredit aufnehmen müssen. Investitionskredite decken die laufenden Kosten in Ihrem Unternehmen, wodurch die Zinsen steuerlich absetzbar werden. Kaufen Sie sich als Existenzgründer einen Laptop oder einen Drucker, können Sie die Zinsen hierfür ebenfalls beim Finanzamt geltend machen. Wichtig ist, dass aus dem Darlehensvertrag ersichtlich wird, warum Sie den Kredit aufgenommen haben. Tipp: Lassen Sie sich Zinsen und Tilgungsbeträge separat ausweisen!
Häufig wird die Büroausstattung auf Kredit angeschafft. Ihr Drehstuhl und der Schreibtisch durchläuft mit der Zeit eine gewisse Abnutzung, was in einer Wertminderung resultiert. Ihre Büroausstattung können Sie abschreiben und zwar unabhängig davon, ob sie mit einem Kredit finanziert wurde oder nicht. Sie geben jährlich einen gewissen Anteil der Anschaffungskosten beim Finanzamt an. Gerechnet wird nach Nutzungsdauer, die Sie aus den sogenannten Afa-Tabellen erfahren. Die Abkürzung steht für „Absetzung für Abnutzung“, die Tabellen werden vom Bundesfinanzministerium bereitgestellt. Beträgt die Anschaffung weniger als 800 Euro, können Sie die Kosten auf einmal von der Steuer absetzen.

Die Kreditkosten für eine Zweitwohnung absetzen

Die heutige Arbeitswelt erfordert Flexibilität von Ihnen. Können Sie nicht pendeln, sind Sie gezwungen, eine Zweitwohnung am Arbeitsort zu unterhalten. Nehmen Sie für die Einrichtung oder Renovierung der Wohnung ein Darlehen auf, können Sie die Zinsen von der Steuer absetzen. Das gilt auch, wenn Sie Maklergebühren oder die Umzugskosten mit einem Kredit finanzieren.

Den Autokredit steuerlich geltend machen

Unklarheit herrscht immer wieder darüber, ob die Anschaffungskosten oder Zinsen für ein Autodarlehen steuerlich relevant sind. Vor allem dann, wenn das eigene Fahrzeug für den Arbeitsweg genutzt wird. Kosten, die dadurch entstehen, sind für Arbeitnehmer bereits durch die Pendlerpauschale abgedeckt. Bei Freiberuflern und Selbstständigen verhält sich das anders. Hier können die Kreditkosten beim Fiskus geltend gemacht werden. Sie müssen allerdings sehr genau Buch führen und jede Fahrt einzeln dokumentieren, um dem Finanzamt zu belegen, dass Sie dieses Fahrzeug wirklich ausschließlich beruflich nutzen.

Kredite für die Ausbildung von der Steuer absetzen

Eine Ausbildung ist teuer. Generationen von Studenten haben Ihre Uniausbildung mit BAföG finanziert. Dabei handelt es sich um ein zinsloses Darlehen, das der Staat zur Deckung der Kosten, die während des Studiums entstehen, gewährt. Nach dem Abschluss müssen Sie diesen Ausbildungskredit wieder zurückbezahlen. Der Umstand, dass Sie BAföG zinslos erhalten haben, verrät Ihnen, wie es um die steuerliche Absetzbarkeit bestellt ist. Die funktioniert in diesem Fall nicht. Eine Sonderform stellt das Meister-BAföG dar. Das nehmen Sie in Anspruch, während Sie bereits im Berufsleben stehen. Ziel dieser Förderung ist es, Ihre Erwerbstätigkeit weiter auszubauen. Das Meister-BAföG müssen Sie in Ihrer Steuererklärung unter Einkünften deklarieren. Daher dürfen Sie auch die Kreditkosten absetzen. Daneben erfreut sich die Finanzierung der ersten oder zweiten Ausbildung mit einem speziellen Studienkredit oder dem sogenannten Bildungsdarlehen wachsender Beliebtheit. Sie können diese Kredite von der Steuer absetzen, allerdings betrifft das nur die Zinsen in voller Höhe. Die Tilgungsraten werden vom Finanzamt nicht akzeptiert. Ob Sie die Zinsen als Werbungskosten oder Sonderausgaben geltend machen können, hängt von der Art Ihrer Ausbildung ab.

Kredite für Krankheitskosten und außergewöhnliche Belastungen absetzen

Müssen Sie im Zusammenhang mit einer Erkrankung für entstehende Kosten einen Kredit aufnehmen, können Sie die Zinsen im Bereich der außergewöhnlichen Belastungen geltend machen. Häufig machen Patienten von Krediten Gebrauch, wenn sie Zahnersatz finanzieren müssen. Sie sollten allerdings damit rechnen, dass der Fiskus Ihnen bei der Berechnung einen sogenannten zumutbaren Eigenanteil abzieht, der von Ihrer individuellen Lebenssituation abhängt. Übernimmt die Krankenkasse bestimmte Kosten wie die Anschaffung einer speziellen Matratze für Allergiker nicht, können Sie die Kreditkosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Vorausgesetzt, Sie fügen ein amtsärztliches Gutachten bei. Das hat der Bundesfinanzhof so entschieden(Az.: III B 178/06). Wenn das Erbe nicht ausreicht, sind Angehörige oft in der Situation, die Beerdigungskosten mit einem Kredit zu finanzieren. Bis zu 7500 Euro dürfen Sie hier insgesamt absetzen. Das beinhaltet nicht nur die Kosten für die Kreditzinsen, sondern auch für Grabstätte, Überführung und Grabstein. Möchten Sie sich Ihren Kinderwunsch per Kredit finanzieren, fällt das ebenfalls unter außergewöhnliche Belastungen. Das gilt sogar dann, wenn die Befruchtung mit dem Samen eines anonymen Spenders von der Samenbank erfolgt, hat der Bundesfinanzhof klargestellt (Az.: VI R 43/10).

Wie Sie Ihre Kreditkosten in der Steuererklärung angeben

Sie sind verpflichtet, in Ihrer Steuererklärung sämtliche Einnahmen anzugehen. Gleichzeitig müssen Sie alle Ausgaben offenlegen, die Sie aufgewendet haben, um Ihre Einkünfte zu erzielen. Je nach Anschaffung und Investitionen müssen Sie die Rubrik Werbungskosten, Betriebsausgaben oder außergewöhnliche Belastungen ausfüllen. Das folgende Beispiel verdeutlicht Ihnen, wie das Finanzamt kalkuliert: Der Besitzer einer mit Kredit finanzierten gewerblichen Immobilie erzielt damit monatlich 10.000 Euro Mieteinnahmen. Von dieser Summe kann er die Grundsteuer, Versicherungen, bestimmte Abschreibungen und die Kreditzinsen abrechnen. Bleiben danach 6000 Euro übrig, wird das Finanzamt diesen Betrag als Grundlage seiner Berechnungen nehmen und nicht die komplette Mieteinnahme von 10.000 Euro.

Weitere Informationen zum Thema erfahren Sie im Fachartikel „Kredit aufnehmen – günstige Zinsen sind nicht alles“ unter www.kredite-vergleich.de.