Dienstag, 21. Februar 2017

Lohnsteuerfreibetrag 2017 | Antrag auf Lohnsteuerermäßigung

Als Arbeitnehmer können Sie Ihre voraussichtlich anfallenden Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen in einen persönlichen Lohnsteuerfreibetrag umwandeln und damit ihre Lohnsteuer senken – dafür müssen Sie beim Finanzamt spätestens bis zum 30.November einen „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ stellen. Sie zahlen im Endeffekt damit zwar nicht weniger Steuern, erhalten damit aber monatlich mehr Nettogehalt. Die meisten Freibeträge werden erst anerkannt, wenn eine 600 Euro Grenze erreicht ist. Wenn Sie einen Freibetrag beantragt haben, sind Sie verpflichtet am Jahresende eine Steuererklärung abzugeben.


Auf einen Blick:


Warum Lohnsteuerfreibetrag (Lohnsteuerermäßigung)?

Lohnsteuerfreibetrag, Antrag auf LohnsteuerermäßigungDer Abzug der Lohnsteuer -> erfolgt nach pauschal festgelegten Freibeträgen, die in die Lohnsteuerklassen eingearbeitet sind, ohne die konkrete Lage des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Somit kassiert in den meisten Fällen der Staat mehr als ihm zusteht. Als Arbeitnehmer können Sie Ihre voraussichtlich anfallenden Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen in einen persönlichen Lohnsteuerfreibetrag umwandeln und damit ihre Lohnsteuer senken. Damit zahlen Sie zwar nicht weniger Steuern, haben aber monatlich mehr Nettogehalt in der Tasche und vermeiden ein kostenloses Darlehen an den Fiskus in Form von zu viel angezahlten Lohnsteuer.

Ihr Arbeitgeber bekommt ihren eingetragenen Freibetrag automatisch über die elektronische Lohnsteuerkarte / ELStAM Datenbank -> übermittelt und wird sie in Ihrer Gehaltsabrechnung berücksichtigen. Wenn Sie einen Freibetrag beantragt haben, sind Sie verpflichtet am Jahresende eine Steuererklärung abzugeben.

Berechnung

Berechnen Sie mit unserem Brutto Netto Rechner, wie viel sie am Monatsende mit einem Lohnsteuerfreibetrag ausgezahlt bekommen. Vergleichen Sie ihr Nettogehalt ohne Lohnsteuerermäßigung: Brutto Netto Rechner – Gehaltsrechner ->

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Tipp: Mutterschaftsgeld oder Krankengeld erhöhen

Ein Freibetrag kann das Mutterschaftsgeld erhöhen, wenn Sie den Freibetrag spätestens 3 Monate vor Beginn des Mutterschutzes beantragen. Ihr Krankengeld können Sie steigern, wenn sie spätestens einen Monat vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit einen Freibetrag beantragen.

 

Dafür gibt es Freibetrag, ohne 600 Euro Antragsgrenze

Diese Freibeträge können in der Lohnsteuerkarte ohne Einschränkungen (ohne das Erreichen einer 600 Euro Grenze) eingetragen werden:

  • Handwerkleistungen im Haushalt: Für Handwerkerlohn, Fahrt- und Maschinenkosten (keine Materialkosten): Bis zu 4.800 Euro
  • Haushaltshilfe als 450 Euro Job: Bis 2.040 Euro
  • Haushaltshilfe selbständig oder angestellt: Bis zu 16.000 Euro
  • Hinterbliebenenpauschbetrag: 370 Euro
  • Behindertenpauschbetrag: Abhängig von dem Grad der Behinderung 310 – 3.700 Euro
  • Verlustvortrag: Ledige bis zu 1 Mio Euro / Ehepartner bis zu 2 Mio Euro

Dafür gibt es Freibetrag, wenn Ihre Aufwendungen 600 Euro übersteigen 

Die folgenden Freibeträge werden erst anerkannt, wenn eine 600 Euro Grenze erreicht ist.  Also nur, wenn die Summe Ihrer Werbungskosten aus nichtselbstständiger Arbeit, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art mehr als 600,00 Euro beträgt.  So müssen Sie z.B. 1.600 Euro Werbungskosten (Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro plus 600 Euro Antragsgrenze) vorweisen, damit der Freibetrag für Werbungskosten berücksichtigt wird.

Beispiele für Werbungskosten

(nach Abzug der Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro und der Antragsgrenze von 600 Euro)

Wichtig: Steuererklärung

Wenn Sie einen Freibetrag beantragt haben, sind Sie verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben. Ausgenommen, sie haben einen Bruttolohn bis 10.700 Euro bei Alleinstehenden / bis 20.200 Euro bei Ehepaare, oder Sie haben Behindertenpauschbetrag oder Hinterbliebenenpauschbetrag beantragt

  • Fahrtkosten Arbeitsweg (Entfernungspauschale): Für jeden Kilometer der einfachen Entfernung zur Arbeit 0,30 Euro, maximal 4.500 Euro im Jahr. Kosten für öffentliche Verkehrsmittel mit Beleg.
  • Reisekosten: Nur die nicht vom Arbeitgeber steuerfrei ersetzte Reisekosten. Für jeden gefahrenen Kilometer mit Pkw 0,30 Euro, mit Motorrad 0,20 Euro oder Kosten für öffentliche Verkehrsmittel.
  • Arbeitsmittel: Berufskleidung, Werkzeuge, Fachliteratur, Heimbüro-Einrichtung, etc. Übersteigen die Nettoanschaffungskosten 410 EUR, müssen die Arbeitsmittel auf die Nutzungsdauer verteilt werden.
  • Arbeitszimmer: Ein Arbeitszimmer, das sich außerhalb der Wohnung oder im Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit befindet, können Sie unbegrenzt absetzen. Andernfalls zählt eine Begrenzung bis zu 1.250 Euro im Jahr.
  • Doppelte Haushaltsführung: Fahrten zwischen der Zweitwohnung und der Arbeitsstätte und Fahrkosten für eine Familienheimfahrt pro Woche (Entfernungspauschale), Verpflegungspauschale für die ersten drei Monate Für jeden Tag am Arbeitsort – 24 EUR/Tag, Tage der Heim- und Rückfahrten – 12 EUR/Tag. Kosten für die Garage.
  • Fortbildungskosten für Studenten, Ausbildung: Beruflich bedingte Fortbildung: Zweitausbildung / -studium, Promotion für die Erreichung des Doktortitels. Ausgaben für Fachliteratur, Lernmittel, Prüfungsgebühren…
  • Umzug: Pauschale für beruflich bedingten Umzug in 2015: 730 Euro für Ledige, 1.460 für Ehepartner, 322 Euro für Kinder

Beispiele für Sonderausgaben

(nach Abzug von 36 Euro für Ledige / 72 Euro für Ehepaare)

Tipp: Steuertipp für Studenten

Die Kosten Ihrer erstmaligen Berufsausbildung oder Ihres Erststudiums können Sie nicht als Werbungskosten abziehen, sondern bis zu dem Betrag von 6.000 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Wenn sie im selben Jahr keine Einnahmen erzielen, gehen sie leer aus. Tipp: Sie sollten trotzdem immer versuchen Ihre Kosten als Werbungskosten durchzubringen! Wenn Sie keine Einnahmen während des Erststudiums erzielen, geben Sie trotzdem die Kosten der Erstausbildung als Werbungskosten in unbegrenzter Höhe an. Sie können als „vorweggenommene Werbungskosten“ zu steuerlich anerkannten Verlusten führen, die Sie auf Folgejahre übertragen lassen können.

  • Unterhalt für den Ex-Partner: Unterhaltsleitungen nach Scheidung / Trennung an Ex-Partner bis zu 13.805 EUR jährlich
  • Ausbildungskosten – Studenten, Auszubildende: Erste Berufsausbildung und Erststudium bis 6.000 EUR im Jahr
  • Kirchensteuer: Gezahlte Kirchensteuer (nicht aber Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer).
  • Kinderbetreuungskosten: Bis zu 2/3 der Kosten, maximal 4.000 Euro im Jahr für Kindergarten, Tagesmutter, etc. Für Kinder bis 14 Jahre, die im Haushalt leben oder Behinderte ohne Altersgrenze, wenn sie vor dem 25. Lebensjahr behindert waren.
  • Spenden an politische Parteien: Ledige bis zu 1.650 Euro / Ehepartner 3.300 Euro
  • Spenden für gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke: Bis zur Höhe von 20 Prozent der Gesamteinkünfte.
  • Schulgeld für Privatschule: Bis zu 5.000 Euro im Jahr, für jedes Kind 30 Prozent des Schulgeldes.

Beispiele für außergewöhnliche Belastungen

  • Ausbildungsfreibeträge: 924 Euro für volljährige Kinder, die nicht zu Hause wohnen. (Internat, Privatschule)
  • Krankheitskosten und Kurkosten
  • Behindertenpauschbetrag: 924 Euro
  • Hinterbliebenenpauschbetrag: 370 Euro
  • Unterhalt eines Angehörigen: Bis zu 8.354 Euro plus Beiträge zur Basis-Kranken- und Pflegeversicherung

 

 

Praxisbeispiel: Berechnung Lohnsteuerfreibetrag mit 600 Euro Antragsgrenze

Sie fahren an 220 Arbeitstagen 20 Kilometer zu Ihrer Arbeit. Sie bezahlen 1.600 EUR an Ihre Tagesmutter. Im Juni beantragen Sie eine Lohnsteuerermäßigung. Wie hoch ist Ihr monatlicher Freibetrag?

 Freibetrag Berechnung für Werbungskosten
  • Fahrten zur Arbeit: 220 Tage x 20 Kilometer x 0,30 Euro =                 1.320 Euro
  • abzgl. Arbeitnehmer-Pauschbetrag:                                                      – 1.000 Euro
  • Summe Werbungskosten:                                                                             320 Euro
 Freibetrag Berechnung für Sonderausgaben
  • Sonderausgaben für die Tagesmutter:                                                      1.600 Euro
  • abzgl. Sonderausgabenpauschbetrag:                                                        –  36 Euro
  • Summe Sonderausgaben                                                                              1.564 Euro
Berechnung Lohnsteuerfreibetrag gesamt
  • Freibetrag pro Jahr   ( 320 € +   1.564 € )                                                  1.884 Euro
  • Prüfung Grenze:  1.884 € > 600 €, Grenze von 600 € überschritten
  • Freibetrag pro Monat (Juli bis Dezember)                                             314 Euro

Mit der Gesamtsumme der Jahresfreibeträge von 1.884 Euro haben Sie die 600 Euro Antragsgrenze überschritten und können somit eine Lohnsteuerermäßigung beantragen. Ab Juli wird Ihnen monatlich 314 Euro Freibetrag zustehen.

Antrag auf Lohnsteuerermäßigung – So beantragen Sie den Freibetrag

Tipp: Der richtige Zeitpunkt für den Antrag

Ein Freibetrag wird immer zum nächsten Monatsersten wirksam. Wer im November beantragt, wird den gesamten Jahresfreibetrag bei der Lohnabrechnung im Dezember berücksichtigt bekommen. Damit können Sie die Lohnsteuer für das im Dezember ausgezahlte Weihnachtsgeld gering halten.

Einen Freibetrag können Sie ab Oktober 2015 können für zwei Jahre beim Finanzamt beantragen. Füllen Sie dazu den „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ aus. Für das laufende Jahr gilt die Frist bis zum 30. November. Die Freibeträge werden in die ELStAM-Datenbank eingetragen.

In manchen Fällen verlangt das Finanzamt einen Nachweis darüber, dass die beantragten Kosten auch wirklich in der Zukunft auftreten werden. Arbeitsweg oder etwa Studienkosten der Kinder lassen sich problemlos nachweisen. Bei nicht nachweisbaren Fällen, wie etwa ein geplanter Kauf von teuren Arbeitsmitteln müssen Sie dem Finanzamt glaubhaft erklären, welche Investitionen für Sie anstehen.

Formulare

Wenn Sie zum ersten Mal einen Freibetrag beantragen, füllen Sie das Formular „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ aus. Ab dem zweiten Mal reicht der Kurzantrag („Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“) aus.

 

Warum Lohnsteuerfreibetrag? – mehr Nettogehalt und Kranken-, Mutterschaftsgeld – Berechnung mit dem Brutto Netto Rechner – Freibeträge mit und  ohne 600 Euro Antragsgrenze – Werbungskosten – z.B.: Arbeitsweg, Reisekosten, Arbeitsmittel, Arbeitszimmer, Doppelte Haushaltsführung – Sonderausgaben – z.B.: Studenten, Auszubildende, Unterhaltszahlungen, Kirchensteuer, Kinderbetreuung – Außergewöhnliche Belastungen – z.B.: Krankheitskosten, Behinderten-, Hinterbliebenenpauschbetrag – Praxisbeispiel: Berechnung Lohnsteuerfreibetrag mit 600 Euro Antragsgrenze – Antrag auf Lohnsteuerermäßigung – Antrag beim Finanzamt bis zum 30. November – Formulare Antrag auf Lohnsteuerermäßigung

 

Glossar